Apistogramma uaupesi

       Burkhard Schmidt, Soest

 

 

 

 Zwergcichlidenfreunde  reisen selten allein und wenn, dann nur um sich irgendwo auf einer Veranstaltung mit Gleichgesinnten zu treffen. Wir waren insgesamt sieben, die sich bei einem Treffen für die Börse in Limbeurs 2010 in Belgien verabredeten. Wenn Johan van Wakeren, Carola und Günter Schau auf dieser Börse Fische anbieten, so unsere einhellige Meinung, sollte auch für uns etwas dabei sein, auch wenn wir lange suchen und handeln müssten! Dem war auch so. Ich hatte auf der Rückreise zwei Paare Apistogramma norberti und zwei Paare A. uaupesi Wildfänge im Gepäck. Dabei handelte es sich bei den uaupesis jeweils um eine Rotkeil und eine Blutkehl Variante.

Wie immer musste ich zu Hause erst mal Platz schaffen. Immerhin waren für zwei Paare die Becken schon vorbereitet. Wer kann denn ahnen, dass schon wieder mehr Fische wie geplant, den Weg in meine Anlage finden? (Mein Freund Norbert Menauer hat dazu aber auch noch einen außergewöhnlich großen und rein zufällig leeren Kofferraum!!)

Das Transportwasser hatte einen PH von 8 und einen Leitwert von 600ms. Die Rotkeil uaupesi - die Männchen ca. 7-8 cm und die Weibchen ca. 5,5 cm - bezogen ein Becken mit den Maßen 40 x 40 x 40 cm = 56 Liter. Die Blutkehl uaupesi mussten sich zunächst ihr neues Zuhause, 80 x 40 x 40 cm = 130 Liter, mit einem Paar A. norberti für ca. eine Woche teilen.

Danach verblieben die Blutkehl mit einigen Rotkopfsalmlem in diesem Zuchtbecken. Ausgangswerte nach der Um- und Eingewöhnung; PH 8 LW ca. 400 ms und Temperatur 26°C. Bei den Rotkeil wurde innerhalb von 14 Tagen, durch Mischen mit Regenwasser, der Leitwert auf unter 150 us eingestellt. Bei den Blutkehl drückte ich in dieser Zeit den Leitwert nur auf ca. 250us, der PH Wert wurde ebenfalls unter Verwendung von Eichenextrakt behutsam innerhalb von einer Woche auf etwa PH 6 abgesenkt. Durch Zugabe von einigen Erlenzäpfchen erreichte ich auch schnell die von mir gewünschte Braunfärbung des Wassers. Ich wollte nichts dem Zufall überlassen. Die Tiere sollten sich so wohl wie irgendmöglich fühlen!


Eingerichtet waren die Aquarien mit feinem Sand als Bodengrund, einigen Anubien und Farnen als Laubersatz, Wurzeln als Versteckplätze und zur Revierabgrenzung. Als Ablaichhöhlen dienten Kokosnussschalen und einige neuartige Tonröhren, welche ich auf der letzten Zajac-Messe erstanden hatte. Bei einigen Höhlen hatte ich das Schlupfloch so klein gewählt, dass sich nur die Weibchen in die Höhle zurückziehen können. Damit ist gewährleistet, dass sie bei zu starker, aggressiver Bedrängnis und Nachstellungen durch die in der Regel wesentlich größeren Männchen keinen Schaden nehmen.


An Lebendfutter können frisch geschlüpfte Artemia Nauplien, Cyclops, lebende schwarze und weiße Mückenlarven gereicht werden. An Frostfutter kommen Cyclops, Artemien, schwarze und weiße Mückenlarven und zerkleinerte Schwebegarnelen (Mysis) in Frage. Rote Mückenlarven und Tubifex sollte man erst gar nicht in Betracht ziehen. Sie stammen aus belasteten Gewässern, beziehungsweise Kloaken und sollten deshalb als Futtertiere für unsere Zwerge nicht genutzt werden. Auf eine Beschreibung von Apistogranmia uaupesi möchte ich verzichten. Die Bilder zeigen eigentlich alles Wesentliche. A. uaupesi hat in den Grenzgebieten von Brasilien, Kolumbien und Venezuelas sein großes Verbreitungsgebiet. Hier sind es in erster Linie die Flusssysteme des Rio Negro, Orinoco und des Rio Atabapo. Die natürlichen Lebensräume sind vorzugsweise typische Schwarzwässser mit PH Werten im stark sauren Bereich und Leitwerten die gegen null  (?) tendieren.

 

Also alles in allem Parameter, bei denen eine Nachzucht nicht unbedingt erfolgversprechend ist. Ich hatte aber mit den von mir eingestellten Parametern in der Vergangenheit gute Erfahrungen bei der Zucht von A. spec Miua, Wilhelmi und A, iniridae gemacht. Vier Wochen tat sich so gut wie nichts. Beide Weibchen verschanzten sich zwar in ihren Höhlen und spuckten hin und wieder einigen Sand vor den Höhleneingang, aber sonst keine besonderen Vorkommniss


Da ich zur gleichen Zeit noch weitere Apistogramma - sogenannte „graue Mäuse" - pflegte und von diesen ein Paar Ap. alacrina zur Fortpflanzung schritt, entnahm ich aus diesem Zuchtaquarium eine mit Hormonen angereicherte, kleine Menge Wasser. Nachdem ich bei den uaupesis schnell einen Teilwasserwechsel gemacht hatte, fügte ich nicht nur bei diesen, sondern auch noch bei weiterem Zuchtpaaren dieses mit Hormonen angereicherte Wasser, mittels eines Litermaßes (Tasse geht auch) zu. Die nun vorhandenen Hormone im Zuchtwasser verfehlten ihre Wirkung nicht. Die Aktivitäten der Männchen nahmen zu. Es wurde gebalzt auf Teufel komm raus. Und siehe da, fast zeitgleich laichten beide Paare ab.

Den eigentlichen Laichvorgang konnte ich nicht beobachten. Man hat ja auch noch andere Verpflichtungen. Vereinsumbau, Messe Zajac usw!! Jedenfalls viel mir beim Blick ins Aquarium sofort die Brutpflegefärbung der beiden Weibchen auf. Das Rotkeilweibchen, mit nur einem Lateralfleck, hatte unter einer flachen Kokosnußschale gelaicht. Das Männchen musste das Gelege von außerhalb befruchten, da es nicht in die kleine Höhle eindringen konnte. Nach der Befruchtung wurde es nicht mehr in der Nähe des Geleges geduldet. Es stand nun ständig an der Seitenscheibe und bedrohte diverse sichtbare Fische in den Nachbarbecken. Bei diesem Pärchen wurde das Gelege, beziehungsweise die Larven, insgesamt zweimal umgebettet. Bei einer Wassertemperatur von 24-26°C schwammen geschätzte 30 Jungfische nach 9 Tagen frei. Sie nahmen sofort frisch geschlüpfte Artemien.



 

Das Blutkehl uaupesi Paar im 80 cm Becken hatte derweil auch in einer Kokosnußschale gelaicht. Allerdings mit einem großen Einschlupfloch, welches ich sehr gut einsehen konnte. Das Männchen hatte ständig alle Hände voll zu tun, um einen kleinen, nervigen Schwärm Rotkopfsalmler aus dem Revier zu jagen und vom Gelege fern zuhalten. Das Weibchen, mit zwei Lateralflecken (?) während der Brutpflegephase, schwamm ständig aufgeregt in die Höhle um das Gelege zu befächeln und auf diese Weise mit Sauerstoff zu versorgen. Dabei wurden die Embryonen immer wieder abgelutscht. Im Speichel befinden sich keimhemmende antibakterielle Substanzen. Ständiges Durchkauen und Ablutschen macht deshalb Sinn und vermindert somit ein Verpilzen oder den Befall mit Bakterien.

Auch beim zweiten Paar wiederholten sich die Ereignisse. Obwohl Salmler als Feindfische im Becken waren, wurde das Männchen aggressiv vom Weibchen aus der näheren Umgebung des Geleges verdrängt. Auch diese ca. 30 Jungfische schwammen das erste Mal nach 9 Tagen sichtbar im Schwarm und in Begleitung der Eltern durchs Revier. Beide Jungfischschwärme wurden abgesaugt und in getrennte Aufzuchtbecken untergebracht, um zu sehen, ob beide Varianten bei der Nachzucht in einem Wurf vorhanden sind. Wurden zunächst nur geschlüpfte Artemien gefüttert, konnte der Speiseplan nach wenigen Wochen, um gesiebte Cylops und kleinstes, geriebenes Artemia Frostfutter erweitert werden.


Wasserwechsel dient dem Schadstoffabbau, fördert das Wachstum und Wohlbefinden nicht nur von Jungfischen. Deshalb tausche ich 2-3mal die Woche ca. 20 % Wasser gegen vorbereitetes Frischwasser aus. Natürlich achte ich beim Mischen und Einstellen der Parameter in dieser Phase auf gleiche Werte im Aufzucht - und Frischwasser (ausgenommen Nitrit, Nitrat, Phosphat).


Gespannt bin ich auf die Geschlechterverteilung und eventuelle Variationen dieser Art. Dazu demnächst mehr.