Apistogramma agassizii "Tefe"

            Burkhard Schmidt, Soest

 

Dass man vor Überraschungen nicht sicher ist, erlebt man immer wieder, auch wenn man sich ständig mit Zwergcichliden und deren Umfeld beschäftigt.

Zunächst möchte ich einige Zeilen in eigener Sache loswerden. Raritäten, oder um es weniger dramatisch zu umschreiben: Selten  bis gar nicht im Fachhandel zu bekommende Zwergcichliden,  habe  nicht nur ich über Jahrzehnte hinweg   auf Tagungen , Messen oder durch Abholung erhalten. Hier haben sich unter anderem  die Familie Schau,  und Johann von Wakeren  immer wieder eingesetzt, um Wildformen , schöne farbenprächtige Standortvarianten , aber auch sogenannte graue Mäuse zu importieren oder nachgezogene Exemplare, also F1 Generationen  durch Weitergabe  in unserm Kreis  zu erhalten. Auf diesem Weg bekam ich vor einiger Zeit sechs blaue Wildfang Apistogramma agassizii Tefe  von Carola und Günter Schau für einen geringen Obulus. Es waren 4 Männchen mit 4cm und 2 Weibchen mit 3cm Grösse.                                                                                                             Apistogramma agassizii Tefe

Zunächst bezogen die Tiere ein 80 cm X 40 cm X 40 cm  Aufzuchtbecken , welches sie mit einigen 3 cm großen  Ap. baenschis teilen mussten. Das Becken war typisch für die Haltung und Zucht  von Apistogramma eingerichtet und so strukturiert, dass Haltung und Pflege  der „Tefe“ und der Aufzucht der „ Baenschis“ nichts im Wege stand.  Parameter  waren  zunächst folgende: Temperatur 25° C,  350 µS und PH 7,

Der Vollständigkeit halber sei gesagt dass sich in meinen Aufzuchtbecken  weder Erlenzäpfchen, Seemandelbaumblätter noch Rinde befinden und mit reinem temperiertem Leitungswasser gefüllt ist.

Nach einiger Zeit, Rangordnung  und Reviere  waren aufgeteilt,  hob eines der beiden Tefe-Weibchen eine Höhle aus. Sie transportierte den Sand  mit dem  Maul von innen nach aussen vor das Einschlupfloch,  also typische Anzeichen eines bevorstehenden Ablaichens. Natürlich ließ auch die einsetzende Brutpflegefärbung nicht mehr lange auf sich warten. Obwohl ich heiss auf eine Nachzucht dieser Art war, beließ ich die Gruppe bei gleichen Parametern im Becken . Ich  konnte ja zur Not auch einige Jungtiere abfangen, wenn es denn  zur Entwicklung und zum Freischwimmen  kommen  sollte.  Bei den vielen mittlerweile auch  größer gewordenen Beifischen ein Unterfangen, bei dem ich schneller sein mußte als besagte Beifische , da diese über den  zusätzlichen Speiseplan  richtig begeistert sein durften.

Na ja, nachdem mein Plan zwei  Mal fehlgeschlagen war, bekamen die Ap. baenschi  ein neues Zuhause.  Das Becken wurde umgestaltet und mit einigen zusätzlichen Höhlen  ausgestattet. Wobei  ich streng darauf achtete , dass die Höhleneingänge  möglichst  klein  waren und nur den Durchschlupf der Weibchen zuließen. So können sich die in der Regel  erheblich kleiner bleibenden Weibchen, wenn sie zu stark vom männlichen Geschlecht bedrängt werden, unbehelligt zurückziehen. Kontinuierlich habe ich nun die Parameter geändert.  Bei  200 µS,  PH 5,5 und 27°C Wassertemperatur wurde zwei Mal abgelaicht, aber ohne Erfolg. Also weiter Leitwert und PH absenken und warten. Bei  etwa 120µS und einem PH unter 5 kam der Durchbruch. Etwa 50 Larven  schwammen 5 Tage nach der Eiablage frei. Die Eltern kümmerten sich rührend um ihre Nachkommenschaft. Sie hielten den Jungfischschwarm eng zusammen. Voreilige, unvorsichtige Junge, welche sich zu weit von den Eltern entfernt hatten, wurden  mit dem Maul wieder eingesammelt und  in den Schwarm gespuckt. Das Männchen  schwamm etwas mehr an den Außenscheiben, von wo Nachbarn den Nachwuchs sehen konnten und  die zu gerne über das wuscheligen Kneuel  hergefallen wären um ihren Speiseplan aufzubessern und ihren Hunger zu stillen. Dazwischen kümmerte er sich ebenfalls rührend um die Jungen.  Alles lief harmonisch und reibungslos, was ja nicht immer bei den Zwergcichliden die Regel ist. Die Nachzuchten, alle blau wie das Männchen, wuchsen  bei wöchentlichem Wasserwechsel  aus der Leitung und zweimaliger täglicher Fütterung  zügig heran.



                                Apistogramma agassizii Tefe M & W  Junge führend

Nach 10 Tagen wurden etwa 35 Jungtiere abgesaugt und separiert aufgezogen. Sie wuchsen bei täglich 2maliger Fütterung zügig heran.

Der Größe der Jungfische angepaßt, wurden der Reihe nach folgende Futtersorten  gereicht:  Angefangen mit Mikrowürmchen, frisch geschlüpfte Artemien guter Qualität ( 50% sehr kleine Nauplien bereits nach 16 Std  ) Diese werden  angereichert  durch Zugabe von Vitaminen und  Aminosäuren. Nächste Stufe der Ernährung:  auf einer Muskatreibe zerkleinertes Artemia- Frostfutter. Wenn sie dieses bewältigen  können, kann man die ganze Palette an Frost- und Lebendfutter nutzen. Ich persönlich verfüttere keine roten Mückenlarven oder Tubifex,  dafür aber sehr gern gefrostete zerkleinerte Mysis, Artemia, weiße und schwarze  Mückenlarven und wenn möglich,diese auch lebend. Sie erhielten mindestens einmal am Tag gefrorene  Cyclops und Granulatfutter. Das  gehört zum ständigen Sortiment, sowie einmal die Woche wenige Grindalwürmer. Bei diesem abwechslungsreichen Futter wuchsen die Tiere schnell heran. Einen großen Teil tauschte ich gegen Euronen , nachdem man die Geschlechter gut  unterscheiden konnte. Drei Paare behielt ich, um den Bestand zu erhalten. Die Eltern  fanden ebenfalls neue, stolze Besitzer.

Eine erneute Nachzucht aus der verbliebenen Sechser -Gruppe ließ nicht lange auf sich warten. Wohlwissend hatte ich im Vorfeld meine Erfahrungen mit eingebracht . Leitungswasser mit  aufgefangenem Regenwasser verschnitten und auf Erfolg versprechende Wasserwerte  eingestellt. Diesmal, ich war nicht mehr so begierig auf Nachzuchten,  wollte aber mit dem Fotoapparat dabei sein.  Mein Tefe-Paar spielte mit. Ich konnte zwar nicht das Ablaichen im Bild festhalten, dafür konnte ich aber das Betreuen des Geleges per Fotos dokumentieren! Das Weibchen hatte sich eine Höhle ausgesucht, in die auch ich einen guten Einblick hatte. Sie schwamm zitronengelb gefärbt nach dem Ablaichen ständig  aufgeregt in die Höhle um das Gelege zu befächeln und  auf diese Art und Weise  mit Sauerstoff zu versorgen. Dabei war sie nicht nur mit den Brustflossen aktiv, sondern der ganze Körper war im Einsatz.  Zwischendurch wurden die Embryonen immer wieder abgelutscht. Im Speichel  befinden sich keimhemmende  Substanzen. Das ständige Durchkauen oder Ablutschen  der Eier macht deshalb Sinn, verhindert somit ein Verpilzen und den Befall  mit Bakterien.                                                                                            

Larven habe ich in den folgenden zwei Tagen leider keine mehr gesehen.  Sie zog es vor, mit dem kurz vor dem Schlupf stehenden Gelege  in eine hintere uneinsehbare Region des Aquariums umzuziehen. Nach einigen Tagen konnte ich dann einen kleinen Schwarm von gut 35 Tieren, mitten drin das führende Weibchen, ausmachen. Die Kleinen wuchsen  ähnlich schnell wie die erste Zucht heran. Allerdings  mußte ich jetzt feststellen, dass sich das Erbgut voriger Generationen in der Farbgebung bemerkbar machte. Ich hatte Nachzuchten die sich von blau  über orange bis hin  zum satten rot aufgespalten hatten.  Aber alle Tiere haben,  wie man  auf den Bildern sieht,   die arttypischen

                                                            Merkmale ihrer Eltern , Apistogramma agassizii  Tefe übernommen.

Dass dem so ist und es durchaus geschehen kann, dass sich Erbgut vorheriger Generationen  in der Nachzucht wiederholt durchsetzen kann, bestätigte mir Dr. Wolfgang Staeck auf meine Anfrage.