Apistogramma sp Wilhelmi

              Silvio Küster, Halle

Pflege und Nachzucht von Apistogramma sp. "Wilhelmi"

(Persönlicher Erfahrungsbericht)

 

Apistogramma sp. "Wilhelmi" ist einer in der Fachliteratur recht gut beschriebener Zwergbuntbarsch. So ist an dieser Stelle nur stellvertretend auf die nachfolgenden Literaturquellen hingewiesen:

- DATZ Sonderausgabe "Südamerikanische Zwergcichliden / Neu: A-Nummern, Lebensräume,

  Haltung & Nachzucht / Seite 101", (Quelle: Verlag Eugen Ulmer);

- MERGUS Cichliden ATLAS Band 2, Seite 1068-1083, (Quelle: Mergus Verlag GmbH);

- DATZ-Aquarienbücher, "Die Buntbarsche Amerikas / Band 2 - Apistogramma & Co.", Apistogramma

  sp. "Abacaxis", Seite 301-302, (Quelle: Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co.);

- Cichliden-Lexikon Teil 3, Südamerikanische Zwergcichliden, Apistogramma spec. "Wilhelmi",

  Seite 105-106, (Quelle: Dähne Verlag GmbH);

- AMERIKANISCHE CICHLIDEN I / 8. Komplett überarbeitete Auflage 2006, Kleine Buntbarsche - Ein Handbuch für die Bestimmung, Pflege und Zucht,

  Seite 182-183, (Quelle: Tetra Verlag GmbH);

- AKZ News, 20. Jahrgang / Ausgabe 1-2013, "Apistogramma sp. "Wilhelmi", ein Juwel unter den Zwergbuntbarschen (Kosta Efremitis, Frankfurt/Main),

  Seite 67-70" und "Meine ganz persönlichen Erfahrungen in der Pflege und Nachzucht von Apistogramma sp. "Wilhelmi" (Silvio Küster, Halle/Saale),

  Seite 44-49", (Quelle: AKZ Arbeitskreis Zwergcichliden im VDA).

Meine erste Bekanntschaft mit diesem wunderschönen Zwergbuntbarsch hatte ich im August 2007. Hier besuchte ich wieder einmal den Fischkeller eines Zwergbuntbarschzüchters in Taucha, welcher bei der Verabschiedung mich fragte, ob meinerseits ein Interesse an einem Pärchen von Apistogramma sp. "Wilhelmi" bestände. Zugegeben, bis dato hatte ich weder etwas von diesem Zwergbuntbarsch gehört noch gelesen. Damit war mir sein Aussehen völlig unbekannt.

Unteranderem lag das auch daran, dass zu jener Zeit mein vordergründiges Interesse der Pflege und Nachzucht von L-Welsen und Panzerwelsen galt. Die Pflege von etwaigen Apistogramma's spielte nur eine untergeordnete Rolle.

Mit meiner neuen Errungenschaft daheim angekommen, wurde eilends ein 60 Liter fassendes Aquarium provisorisch hergerichtet. Pflanzen, verschiedene Höhlen und eine kleinere Anzahl an Moorkienwurzeln folgten an den darauf liegenden Tagen.

Ohne das ich in den Folgetagen besondere Anstrengungen unternahm, wie z.B. das Absenken des pH-Wertes oder das Reichen irgendwelchen Lebendfutters, schritt das Pärchen relativ rasch zur Paarung und Eiablage. Meine Unwissenheit, insbesondere im Umgang bzw. der Pflege mit Apistogramma sp. "Wilhelmi", sollte sich in den folgenden Tagen rächen. Ein Fehler folgte dem anderen. So unterschätzte ich die Agressivität des Weibchens bei der Verteidigung der freischwimmenden Jungfische und entfernte das Männchen erst viel zu spät aus dem Aquarium. Scheinbar durch die allzu heftig geführten Attacken des Weibchen geschwächt, verstarb am nächsten Tag das Männchen. Bei den Jungfischen lief es nicht viel besser. Hier war das Problem, dass es mir unvorbereitet an Erstfutter fehlte, was wiederum zum kontinuierlichen Sterben der Jungfische führte. Wie nun weiter? Ich überführte das verbliebene Weibchen in mein 200 Liter-Gesellschaftsbecken und schenkte diesem in der Folgezeit keine nennenswerte Bedeutung.

Wochen später, wieder einmal auf einer Dienstreise unterwegs, besuchte ich einen (Aquarien-)Freund bei Dresden, welcher mehr auf Tanganjikasee-Buntbarsche spezialisiert, in einem Aquarium aber auch ein Pärchen von Apistogramma sp. "Wilhelmi" pflegte. Ob dieser Besuch und die damit einhergehende Fachsimpelei der Auslöser meines damaligen Apistogramma sp. "Wilhelmi"-Fiebers darstellten, ist für mich nicht mehr nachvollziehbar. Jedenfalls war der Besuch einer der auslösenden Faktoren, Apistogramma sp. "Wilhelmi" nicht nur zu pflegen, sondern auch erfolgreich zu züchten. In der Folgezeit recherchierte ich in den mir bekannten Aquarienzeitschriften/-büchern und im Internet alles was man zu Apistogramma sp. "Wilhelmi" finden konnte. Auch wurde so mancher fachkundiger Ratschlag eingeholt. Das größte Problem galt es aber erst noch zu lösen - woher bekomme ich ein neues Männchen!? Nach unzähligen Telefonaten  mit Züchtern von Zwergbuntbarschen hatte ich im Januar 2008 großes Glück und konnte aus einer Lieferung von Wildfängen ein Männchen erwerben.

Besagtes Männchen und das bereits in meinem Bestand vorhandene Weibchen bildeten in der Folgezeit den Grundstock für die Nachfolgegenerationen meiner mittlerweile doch recht erfolgreichen Pflege und Nachzucht an Apistogramma sp. "Wilhelmi".

Derzeit befinden sich im Durchschnitt 3-4 Paare an Apistogramma sp. "Wilhelmi" in meinem Bestand.

Wovon ein Pärchen aus Wildfängen und die restlichen Paare aus eigenen Nachzuchten stammen. Das Wildfangpärchen ist in einem 130 Liter-Aquarium untergebracht und die Nachzuchtpaare jeweils in einem 54 Liter-Standardaquarium [Abmessung (Länge/Tiefe/Höhe) 0,6 m x 0,3 m x 0,3 m)]. Etwaige Beifische sind in den Aquarien nicht vorhanden. Als Bodengrund dient weißer feiner Quarzsand der Körnung 0,1 bis 0,9 mm. Der Eintrag bzw. die Schichthäufung des Quarzsandes beträgt etwa 5 bis maximal 10 mm. Dekoriert werden die Aquarien mit 2 bis 3 Keramikblumentöpfen die sowohl als Laichhöhle aber auch als Rückzugsmöglichkeit dienen. Je nach Größe, kommen noch eine oder mehrere Moorkienwurzeln zum Einsatz. Die Bepflanzung erfolgt unter Verwendung verschiedener Anubias, vorwiegend jedoch durch Javamoos und diversen Schwimmpflanzen. Zusätzlich wird noch unterschied-

liches Laubwerk wie Eichen- und/oder Buchenblätter eingebracht. Dieses wird durch voheriges Abkochen entkeimt. Die Aquarien werden über separate Stab-Aquarienheizer beheizt und die Filterung basiert auf luftbetriebene Innenfilter.

Für die Pflege und gezielte (Nach-)Zucht verwende ich ausschließlich Regenwasser. Zusätzlich wird dem Regenwasser und damit den Aquarien noch je ein kleines Säckchen mit Torf (Torfpellets) beigegeben. Als diesbezügliches Säckchen finden Nylonprobierstrümpfe ihre Verwendung, wie sie in jedem Schuhgeschäft in der Auslage zu finden sind. Der Torf wird nach ca. 3-4 Wochen ausgetauscht. Eine Messung des pH-Wertes oder sonstiger Qualitätsparameter des Aquarienwassers wird meinerseits nicht getätigt. Die durchschnittliche Wassertemperatur in den Aquarien beträgt 25-26°C. Gefüttert wird ausschließlich mit Frost- und Lebendfutter. Trockenfutter findet weder bei den Zucht-

paaren noch bei den Jungfischen seine Verwendung. Die erste Wahl bei Frostfutter bildet natürlich Cyclops und sofern erhältlich, Moina Striata (weichschaliger kleiner roter Wasserfloh). Gelegentlich, jedoch eher selten, findet auch die Weiße Mückenlarve als Frostfutter ihren Weg ins Aquarium. Rote Mückenlarven werden nicht verfüttert.

Als Lebendfutter werden vorwiegend frischgeschlüpfte und mit Vitaminen angereicherte Artemianauplien ganzjährig gereicht. Sofern es je nach Jahreszeit die umliegenden Teiche hergeben, auch gesiebtes Teichfutter. Ebenso greife ich im Sommer/Frühherbst ganz gern auf Schwarze Mückenlarven zurück, die es dann zu Hauf in meinen Regenfässern zu fangen gibt. Jedoch sollte hier der Grundsatz gelten, "Weniger ist Mehr" bzw. "in Maßen und nicht in Massen"! Die Schwarzen Mückenlarven werden nur an die Zuchtpaare verfüttert und nicht an die Jungfische. Den Jungfischen könnten die Schwarzen Mückenlarven gefährlich werden.

Was die Nachzucht von Apistogramma sp. "Wilhelmi" an sich betrifft, so verläuft diese weitgehend wie bei meinen sonst noch gepflegten Apistogramma (Apistogramma sp. "Rotpunkt", Apistogramma allpahuayo, Apistogramma agassizii "Rotrücken") ab. Nach ca. 8-10 Tagen verlassen die Jungfische erstmals die Höhle und schwimmen fortan mit dem Weibchen durch das Aquarium. Hierbei ist permanent in der Anfangszeit zu beobachten, wie das Weibchen die Jungfische ins Maul nimmt und sie sprichwörtlich "durch lutscht", um sie anschließend wieder in den Jungfischpulk zu spuken. Das Männchen wird hingegen nicht in der Nähe der Jungfische von dem Weibchen geduldet, teils heftig bis sehr heftig attackiert und verjagt. Der Vorsicht geboten, entnehme ich den Aquarien nach 2 bis 3 Tagen des Aufschwimmens der Jungfische das Männchen und das Weibchen in der Regel nach 2 bis 3 Wochen. Die Größe der Gelege meiner Zuchtpaare ist recht unterschiedlich. Der aufschwimmende Jungfischpulk variiert zwischen 20 bis 40 Jungfischen je Zuchtpaar. Beim Geschlechter-

verhältnis gibt es auch recht große Unterschiede, wobei generell ein Übergewicht an Weibchen zu verzeichnen ist.

Die Jungfische werden vom ersten Tag an mit Artemianauplien gefüttert. Gelegentlich kommen auch entkapselte Artemiaeier zum Einsatz, welche ich vorher unter Zugabe von Aquarien- oder Leitungswasser kurz aufquellen lasse. Mit dem Erreichen einer bestimmten Größe der Jungfische erfolgt deren sukzessive Umstellung vom Klein(st)-Futter auf das Futter der Elterntiere. Hier ist erst einmal die Gabe von kleinen Mengen empfohlen um festzustellen, ob die kleinen Mäuler der Jungfische bereits die Futterumstellung bewältigen.

Mit einem Wasserwechsel bei den Jungfischen wird nach gut einer Woche begonnen. Vorerst aber nur mit einer kleinen Menge von maximal 5 Litern. Die Menge wird fortlaufend gesteigert, bis auf maximal 50% des Aquarieninhalts. Ein Wasserwechsel geschieht dann wöchentlich. Es kommt nur noch Leitungswasser zum Einsatz.

 

(Revisionsstand: 12/2015)