Apistogramma diplotenia

    Dr. Norbert Menauer, Würzburg

                       

 

 

 

                                Apistogramma diplotaenia

 

                                         subadultes Mänchen






Gekauft habe ich ein Pärchen bei Frank Wilhelm im Juni 2003. Es reizte mich, die Fischchen zu halten und eventuell nachzuziehen, weil sie nach der Literatur in extremen Verhältnissen – ph 4,5 und Leitwert 25 – leben.

Zu Hause angekommen bestimmte ich den LW im Transportwasser: rund 400 µS. Na ja, unser Leitungswasser liegt bei 340 µS. Da konnte ich schnell ein 50 cm Becken einrichten, geliehen aus unserem Verein. Feiner Kies war vorhanden, parasitenfreies, eingefahrenes Filtermaterial (Efisubstrat und Siporax ) ebenfalls reichlich. Schnell einen luftbetriebenen Innenfilter aus dem Glasgefäß einer ehemaligen Kaffeemaschine gebastelt, in den Bodengrund versenkt, Wasser mit ca. 26 ° Celcius eingefüllt, den ph-Wert mit etwas  Schwefelsäure auf rund 6 eingestellt, das waren Routinearbeiten. Die Filterleistung einregulieren, die Heizung einstellen und nebenbei die Aquarienwände mit Styropor von außen isolieren folgte. Nach etwa 2 Stunden konnte ich die Tierchen einsetzen.

Um den Leitwert im Laufe der nächsten Tage zu senken, produzierte ich Osmose – Wasser, gut 40 Liter in 24 Stunden mit 20 µS aus  meiner kleinen Labor – Anlage. Mit täglich 10 Liter Wasserwechsel bei 40 Liter Beckeninhalt erreichte ich bald einen Wert von ca. 200 µS. Den Kies hatte ich inzwischen mit feinem Quarzsand bedeckt. Die Fische fraßen, balzten und fühlten sich sichtlich wohl. Sie nahmen problemlos die kleinen Wohnhöhlen an. Sie schaufelten den feinen Sand als Berg vor den Eingang, oft so hoch, dass sie nur flach hineinschlüpfen konnten, so wie andere Apistogramma – Arten auch.

Am 25.7. lagen die Wasserwerte bei 250 uS, ph bei 5,5 und die Temperatur bei 26° C. Die Leitwertänderung ist nicht zu vermeiden, da ich mangels Wasserflöhen oder Hüpferlingen frischgeschlüpfte Artemia-Nauplien füttern muß. Und ich traute am Abend dieses Tages meinen Augen nicht:  am Dach der kleinen Höhle eines halbierten Blumentöpfchens hingen blassrosa Eier! Am 27.7. lagen schwänzelnde Larven am Boden und am nächsten Tag waren alle verschwunden. Dann war Pause. Das Paar balzte zwar, das Weibchen hielt seinen Partner auf Abstand zu seiner Wohnhöhle, aber ein Gelege entdeckte ich nicht mehr. Und für längere Beobachtungen hatte ich keine Zeit.

Am 12.09. war ich aber doch über die Aggressivität des Weibchens erstaunt: dann entdeckte ich nach einiger Zeit freischwimmende Larven, fast nur durch die dunklen Augen und die Bewegung zu erkennen, so zwischen 20 und 30. Große Freude! Und die Wasserwerte? Ph 5,5, LW 254 µS , Temperatur  24° C. Ich fütterte sofort Essigäalchen, Brachionus – Rädertierchen, Mikrowürmchen und ganz frisch geschlüpfte Artemia- Nauplien. Es wuchsen 25 muntere und vitale Fische heran, von denen ich bisher nur einen verloren habe.

Ende Dezember 2003 konnte ich anhand der Größe und des Verhaltens 10 Weibchen feststellen. Ich verteilte die Tiere auf 2 Becken mit einer Fläche von je ½ qm, so daß sich bald die ersten Pärchen bildeten. In jedem Becken sind  mehr Höhlen als Tiere. So konnte jedes sich die passende Wohnung aussuchen. Das erste Gelege war am 3.1.2004 zu sehen. Leider waren die Eier nicht befruchtet.

Und wenn mich heute jemand fragt, warum ich mich gerade in Apistogramma diplotaenia verliebt habe? Sie sind munter und mutig, zeigen eine schöne rehbraune Farbe mit dunkelbraunem Doppelstreifen. Sie unterstreichen die Drohung gegen den Feind mit steil abgestellter und rudernder Bauchflosse. Kiemendeckel und Flossen werden maximal gespreizt. Sie nähern sich langsam, um dann blitzschnell im Bogen auseinander zu schwimmen. Dabei zeigen sie den vollen Schmuck ihrer Flossen.

Leider sind am 20. und 22.12 2003 die Elterntiere verstorben. Zum Glück habe ich ja hoffnungsvollen Nachwuchs. Vielleicht sollte ich noch berichten, wie ich die Artemia- Nauplien zur Fütterung vorbereite. Sicher können viele Aquarianer wie ich nicht regelmäßig Wasserflöhe oder Hüpferlinge fangen. Die Eier brüten in echtem Meersalz einer Dichte von 1024 und 32° C aus. Damit sind die Nauplien nach 24 Stunden geschlüpft. Ich spüle die leeren Eihüllen ab und ersetze das abgegossene Wasser mit einer Suspension lebender Meerwasserschwebealgen, die ich seit langem kultiviere. Hin und wieder gebe ich in das  Aufzuchtgefäß pro Liter eine Kapsel Lachsöl, also ungesättigte Fettsäuren, und etwas Multivitaminpulver dazu. Nach ca. 6 – 10 Stunden werden die Nauplien  dann verfüttert. Unter dem Mikroskop kann man den mit Algen gefüllten Darm erkennen – bestimmt eine nährstoff- und  vitaminreiche Kost für die Fische. Sehr gespannt bin ich jetzt, bei welchem ph - und  Leitwert ich meine Nachzucht zur erfolgreichen Fortpflanzung bringen kann und welches Verhältnis der Geschlechter sich einstellen wird!