Ap. agassizii "Rotrücken"

                     Silvio Küster, Halle

Pflege und Nachzucht von Apistogramma agassizii "Rotrücken"

(Persönlicher Erfahrungsbericht)


Apistogramma agassizii "Rotrücken" zählt für mich zu einem der schönsten Zwergbunt-barsche unter dem Apistogramma-agassizii-Komplex. Leider gibt es jedoch nur sehr

wenige Erfahrungsberichte zum Apistogramma agassizii "Rotrücken" an sich. Trotz intensiver Recherchen sind mir lediglich sechs Publikationen zum Apistogramma agassizii "Rotrücken"

bekannt. Teilweise in Form eines Berichtes oder durch diverses Bildmaterial mit Kurz- beschreibung.

  1. AquaNet-Magazin, Thematik Fachbeiträge, www.aquanet.de, Apistogramma agassizii "Rotrücken", Die Rotrücken-Variante von Apistogramma agassizii, Fachbeitrag vom 13.03.2007, Dr. Wolfgang Staeck

  2. DATZ-Sonderheft "Südamerikanische Zwergcichliden", Neu: A-Nummern,  

      Lebensräume, Haltung & Nachzucht, seite 106, Verlag Eugen Ulmer


  3. Cichliden-Lexikon Teil 3, Südamerikanische Zwergbuntbarsche, Seite 13,

      Dr. Wolfgang Staeck, Dähne Verlag GmbH


  4. Zwerg-Buntbarsche, Südamerikanische Geophaginen und Crenicarinen,

      Hans J. Mayland/Dieter Bork, Landbuch-Verlag GmbH


  5. Zucht von Apistogramma agassizii "santarem Rotrücken", Kosta Efremidis,

      www.zwergbuntbarsche.com


  6. Die Rotrücken-Variante von Apistogramma agassizii, Dr. Wolfgang Staeck, Aquaristik aktuell - Das Magazin für Aquarianer, Ausgabe 1/2005,

      13. Jahrgang, Dähne Verlag GmbH


  Überdies wird an verschiedener Stelle auf eine Publikation in der DATZ 47 (3), Seite 152-156, von Ingo Koslowski hingewiesen. Diese ist mir inhaltlich

  nicht bekannt.

     

Derzeit pflege ich 3 Paare an Apistogramma agassizii "Rotrücken". Die Unterbringung eines

jeden Paares erfolgt in einem handelsüblichen Standardbecken der Abmessung Länge 0,6 m x Höhe 0,3 m x Tiefe 0,3 m. Eine Filterung der jeweiligen Becken geschieht über einen separaten Innen-Schwammfilter und die Beheizung mittels Aquarien-Regler-Heizer (50 Watt). Eingerichtet sind die Becken mit feinstem weißen bis hellbraunen Sand (Vermeidung von Verletzungen, da das Bodenmaterial hin und wieder nach fressbarem durchkaut wird), 2-3 Höhlen (kleine Keramik-Blumentöpfe, handelsübliche Barschhöhlen), 1-2 kleine Moorkien-

wurzeln und natürlich entsprechendes Pflanzenmaterial. In meinen Becken haben sich Javamoos und verschiedene Sorten an Anubias (Anubias nana, Anubias hastifolia) über lange

Zeit bestens bewährt. Das Javamoos hat zudem den besonderen Vorteil, dass sich Jungfische in diesem hervorragend vor dem Zugriff der Elterntiere verstecken können. Zusätzlich wird in jedes Becken eine Laubschicht an Buchen- und/oder Eichenblätter, gelegentlich auch Blätter des Walnussbaums, eingebracht. (Das Laub wird von Früh- bis Spätherbst aufgesammelt und anschließend in grobmaschigen Netzen getrocknet. Gelegentlich kaufe ich auch zu.)

Natürlich wird das Blattwerk vorher mit kochendem Wasser überbrüht um mögliche Keime/Pilze abzutöten. Als letzteres wird in die Becken noch ein kleines Säckchen (Nylon-Probierstrumpf) mit Torf eingehängt. Hier verwende ich vorwiegend Torfpellets. Bekanntermaßen sollen die Huminstoffe des Torfs zur Senkung der Karbonathärte und des pH-Wertes beitragen, unter anderem ein wichtiger Baustein für eine erfolgreiche (Nach-)Zucht von Apistogramma

agassizii "Rotrücken".

Für die Pflege und die gezielte (Nach-)Zucht meiner Apistogramma agassizii "Rotrücken" verwende ich vorwiegend Regenwasser. Mal von den Wintermonaten abgesehen, steht mir dieses weitgehend ganzjährig zur Verfügung. Die Lagerung des Regenwassers erfolgt in Maischefässern unter Zusatz von Torf (je 1 Säckchen eines Nylon-Probierstrümpfchens pro 60 Liter-Maischefass) und einer guten Durchlüftung.

Zur gezielten (Nach-)Zucht wird das Regenwasser in kurzen Abständen, nach ca. 3-4 Wochen, bis zu 50% des Beckeninhalts gewechselt. In diesem Zusammenhang erfolgt die gleichzeitige Erneuerung des eingehängten Torfsäckchens. Abweichend hiervon, sofern sich Jungfische im Becken befinden bzw. die Ablage eines zwischenzeitlichen Geleges erfolgte. Jeder Wasserwechsel, egal ob Regen- und/oder Leitungswasser, findet unter Zugabe eines Wasser-

aufbereitungsmittels statt. Hier bietet der Handel die unterschiedlichsten Qualitätsprodukte an. Ich persönlich verwende vorwiegend Produkte aus der

Produktreihe "ZacPlus" der Firma Zoo-Zajak.

Eine Messung oder auch Überwachung etwaiger Qualitätsparameter des Wassers, insbesondere die des Regenwassers, wird meinerseits nicht durchgeführt. Die Wassertemperatur in den Becken beträgt durchschnittlich 25-26°C. Dieses gilt sowohl für die Pflege, die (Nach-)Zucht einschließlich der Aufzucht.

Gefüttert wird ausschließlich mit Lebend- und Frostfutter. Trockenfutter findet sowohl bei den Zuchtpaaren als auch bei den Jungfischen keinerlei Verwendung. Erste Wahl bei Lebend- und Frostfutter sind natürlich Cyclops und sofern im Handel als Frostfutter erhältlich, Moina Striata (japanischer Wasser- floh - weichschaliger kleiner roter Wasserfloh). Gelegentlich, jedoch eher selten, findet auch die Weiße Mückenlarve (Familie der Büschelmücken) sowohl als Lebend- und Frostfutter ihre Verwendung. Frostfutter wird generell von mir vor dessen Verfütterung im kalten Leitungswasser kurz aufgetaut und anschließend noch gut durchspült. Im Sommer als auch im Frühherbst greife ich noch ganz gern auf Schwarze Mückenlarven zurück, welche es dann in ausreichender Menge in meinen Regenfässern zu fangen gibt. Bei deren Verfütterung sollte jedoch sprichwörtlich der Grundsatz gelten "Weniger ist Mehr" bzw. "in Maßen und nicht in Massen"! Wer sich hier daran hält, hat hinterher weniger mit Mückenstichen zu kämpfen. Durch die Fische nicht gefressene Larven entwickeln sich relativ schnell bei den in den Becken vorherrschenden Temperaturen zu blutsaugenden Biestern. Als ganzjähriges Lebenfutter werden noch frischgeschlüpfte Artemia-Nauplien gereicht.


Was die Nachzucht von Apistogramma agassizii "Rotrücken" an sich betrifft, so verläuft    diese weitgehend wie bei meinen sonst noch gepflegten Apistogramma (Apistogramma sp. Wilhelmi, Apistogramma allpahuayo, Apistogramma sp. Rotpunkt) ab. Nach ca. 10 Tagen verlassen die Jungfische erstmals die Höhle und schwimmen fortan mit dem Weibchen durch das Becken. Hierbei ist permanent zu beobachten, wie das Weibchen die ersten Tage gelegentlich die Jungen ins Maul nimmt und sie sprichwörtlich "durchlutscht/-kaut", um      sie anschließend wieder in den Jungfischpulk zu spuken. Das Männchen wird hingegen nicht in der Nähe der Jungfische vom Weibchen geduldet, teils heftig bis sehr heftig attackiert und verjagt. Der Vorsicht geboten, entnehme ich dem Becken nach 2 bis 3 Tagen des Aufschwimmens der Jungfische das Männchen und das Weibchen in der Regel nach 2 bis 3 Wochen.

Die Jungfische werden vom ersten Tag an mit Artemia-Nauplien gefüttert. Sofern beschaffbar, in der Folgezeit zusätzlich mit feinst gesiebtem Teichfutter. Mit dem Erreichen einer bestimmten Größe der Jungfische erfolgt die sukzessive Umstellung von Klein(st)-Futter auf z.B. Cyclops. Hier ist die Gabe von erst einmal geringen Mengen angeraten um festzustellen, ob die kleinen Mäuler der Jungfische bereits die Futterumstellung bewältigen.

Mit einem Wasserwechsel bei den Jungfischen wird nach gut einer Woche begonnen. Vorerst aber nur mit einer kleinen Menge von maximal 5 Litern. Die Menge wird fortlaufend gesteigert bis auf maximal 50% des Beckeninhalts. Ein Wasserwechsel geschieht dann wöchentlich. Es kommt nur noch Leitungswasser zum Einsatz.


(Revisionsstand 09/2015)